In der Arbeitswelt ist kaum eine Eigenschaft so gefragt wie die Flexibilität. Gemeint ist hier vor allem die Bereitschaft, weite Strecken zurückzulegen, um an den Arbeitsplatz zu gelangen. Rund 30 Millionen Menschen in Deutschland legen deshalb jeden Tag als Pendler mit dem Auto, der Bahn oder dem öffentlichen Personennahverkehr weite Strecken zurück. Die Bezeichnung des Pendlers ist ein sehr dehnbarer Begriff. Tatsächlich gilt nach deutscher Definition als solcher, wer zum Erreichen seiner Arbeitsstätte die Grenzen seines Grundstücks überqueren muss. Als Pendler anerkannt werden in der Regel jedoch erst Erwerbstätige, die einen einfachen Arbeitsweg ab 25 Kilometern bzw. 40 Minuten Fahrtzeit zurücklegen.

Annähernd zwei Drittel aller Beschäftigten legen täglich weite Strecken von bis zu mehreren hundert Kilometern zu ihrem Arbeitsplatz und wieder nach Hause zurück. Auf lange Sicht wird der Trend des Pendlers wahrscheinlich noch weiteren Zulauf erhalten.

Warum pendeln so viele Menschen?

Für die hohen Zahlen an Pendlern gibt es mehrere Gründe. Der erste und offensichtlichste ist die stetige Verknappung des Lebensraums innerhalb der Städte. Diese allein macht es häufig schon notwendig, sich am Stadtrand oder im Umland anzusiedeln und geht so grundsätzlich mit einem weiteren Weg zum Arbeitsplatz einher. Ein weiterer Grund liegt in den stetig steigenden Mietpreisen, die sich teilweise selbst die wirklich gut bezahlten Angestellten nicht mehr leisten können oder wollen.

‚Warum dann nicht gleich eine Stelle im Umland suchen und sich einfach direkt dort ansiedeln?‘, fragt sich der eine oder andere. Zum Wohnen und Leben ziehen viele Erwerbstätige ohnehin eine eher ländliche Gegend klar vor, um dem Trubel und Lärm der Stadt und des Alltags wenigstens am Wochenende zu entfliehen. Dort gestaltet sich die Jobsuche jedoch oft schwieriger. Nur sehr wenige Menschen haben das Glück, eine Stelle im wirklich nahen Umkreis ihrer Wohngemeinde oder direkt in dieser zu finden und so dem Status als Pendler zu entgehen. Hinzu kommt, dass viele Berufe auf dem Land kaum anzufinden sind. Trotz der heutzutage nahezu endlosen Möglichkeiten zur Arbeit vom heimischen Schreibtisch aus, erfordern die meisten Berufe darüber hinaus aber auch immer noch die regelmäßige Anwesenheit am Arbeitsplatz.

Ein weiterer, ebenso wichtiger Grund für das Pendeln liegt auch in der Tatsache, dass Stellen inzwischen sehr häufig auf ein bis maximal zwei Jahre befristet werden. In manchen Fällen ergibt sich zwar die Option, anschließend fest angestellt zu werden, dies lässt sich jedoch meist unmöglich vorhersehen. Umzüge sind teuer und anstrengend, und seinen Lebensmittelpunkt für eine befristete und somit schwebend unsichere Stelle zu verlagern, erscheint nicht vernünftig. Besonders triftig ist dieser Grund für Familien mit Kindern. Möchte man die Kinder wirklich ihres gewohnten Umfelds, welches für ihre Entwicklung eine elementare Rolle spielt, entreißen, um in ein oder zwei Jahren wieder umziehen zu müssen? Nein, lieber nicht. Dann nehmen die Betroffenen lieber den Status quo des Berufspendlers in Kauf und legen täglich einfache Strecken von bis zu 200 Kilometern zurück.

Bei so weiten Strecken könnte man sich doch eine Zweitwohnung oder ein Zimmer nahe der Arbeit nehmen, oder? Was erstmal vernünftig klingt, scheitert häufig schon daran, dass die Doppelbelastung bei der Miete für viele Berufspendler nicht tragbar wäre. Und insbesondere wer Kinder hat, die er nicht in fremde Obhut geben kann und will, dem bleibt nichts anderes übrig, als täglich hin und her zu pendeln. Nicht zu vergessen sind hier ebenfalls Schüler und Studenten, die für bestimmte Ausbildungen und Studiengänge ihren Wohnort verlagern müssten, aber keine WG, keinen Wohnheimplatz und auch keine eigene Wohnung in Schul- oder Universitätsnähe gefunden haben oder bezahlen können.

Gründe, warum so viele Menschen pendeln, gibt es viele. Der Effekt bleibt derselbe: Die langen Arbeitswege der Berufspendler sorgen für Stress. Stress macht krank.

Was macht das Pendeln mit unserer Gesundheit?

Wer aus einem der genannten Gründe auf dem Land wohnt, aber in der Stadt arbeitet, kommt um ein Dasein als Berufspendler oft nicht herum. Je nach Lage und Verkehrsanbindung des eigenen Zuhauses bieten sich meist mehrere Verkehrsmittel an. Wer im Randgebiet einer Stadt lebt, für den kommen der öffentliche Personennahverkehr, die Fernanbindungen der Deutschen Bahn und ggf. das Auto infrage. Für einen auf dem Land lebenden Berufspendler gibt es oftmals nur das Auto oder – mit etwas Glück – den Zug. Obwohl manche der aufgezeigten Möglichkeiten auf den ersten Blick weniger stressig erscheinen, haben alle Varianten deutlichen Einfluss auf unsere körperliche und psychische Verfassung. Werfen wir also einen Blick darauf, welche Verkehrsmittel dabei welche Risiken bergen und welche Auswirkungen das auf unsere Gesundheit hat.

Pendeln mit dem Auto

Wer sich dafür entscheidet, mit dem eigenen PKW zu pendeln, muss oft schon sehr früh los. Ab einer bestimmten Zeit kommt der PKW-fahrende Berufspendler sonst in die Rushhour. Aber auch jenseits des Berufsverkehrs sind Staus auf Autobahnen keine Seltenheit, sorgen jedoch immer für Stress und Unruhe. Die dabei häufige Zusatzbelastung durch Zeitdruck sorgt dabei nicht gerade für Entspannung. Dennoch entscheiden sich 68 % für den PKW, da er immerhin noch ein Stück weit die Privatsphäre aufrechterhält.

Je nach Gemüt des Fahrers kann das Gefühl der Ohnmacht beim Feststecken im Stau auch schnell in Frust oder Wut umschlagen. Von emotionsgeladenem Fahren wird bereits in der Fahrschule abgeraten, da es die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls erhöht und den Blutdruck in die Höhe treibt. Doch auch wenn man sich nicht von seinen Emotionen beherrschen lässt, zehrt das ständige Autofahren über mehrere Stunden täglich an den Nerven, führt zu Verspannung, Rückenschmerzen und Kopfschmerz, da es dem Fahrer einiges an Konzentration und monotoner Körperhaltung abverlangt.

Hat man die Fahrt zum Arbeitsplatz endlich überstanden, kommt gleich die nächste Herausforderung auf den Berufspendler zu: die Parkplatzsuche. Kostenlose Parkplätze sind ebenso wie firmeneigene Parkplätze und Parkplätze in Firmennähe meist dünn gesät und ruckzuck belegt. Die Suche nach einem Stellplatz sorgt dann oft noch einmal für zusätzliche Verspätung, für Frust und Stress und mit Pech auch zu relativ hohen Parkgebühren.

Pendeln mit der Bahn

Jeder möchte doch sein Leben in vollen Zügen genießen – allerdings nicht in den oft übervollen und zudem noch häufig verspäteten Zügen der Deutschen Bahn. Zwar erlauben die Fernzüge der Deutschen Bahn es dem Berufspendler, mit sehr hohem Tempo weite Strecken innerhalb überschaubarer Zeit zurückzulegen und scheinen erst einmal eine bequeme Alternative. Auf den zweiten Blick fällt aber auf, dass Verspätungen, Ausfälle und Überfüllung beim Pendeln mit dem Zug Teil der Tagesordnung sind. Nicht nur, dass dadurch ohnehin ein erhöhtes Frustlevel und negative Stimmung häufig mit an Bord sind, auch die Privatsphäre des Berufspendlers wird hier natürlich eingeschränkt.

Allein die Tatsache, dass man sich minutiös an Abfahrtszeiten halten muss, da die Züge oft nur einmal pro Stunde fahren, erzeugt schon Druck. Mehrfache Umstiege, Ausfälle und Verspätungen frustrieren, kosten Zeit und sorgen für zusätzliche Anspannung und Unruhe und häufig auch für Kopfschmerzen. Wer mit der Bahn eine ruhige Fahrt erleben möchte, muss in aller Regel sehr früh los – noch früher, als die gewöhnliche Arbeitszeit es ohnehin schon erfordern würde. Das Ergebnis: Schlafmangel und Bluthochdruck als Folge der ständigen Aufregung.

Pendeln mit dem öffentlichen Personennahverkehr

Der ÖPNV ist das bevorzugte Verkehrsmittel der Stadtbewohner ohne PKW. Je nach Größe der Stadt und Ausbau der Infrastruktur herrscht meist dichtes Gedränge. Selbst wenn in wenigen Minuten bereits die nächste Bahn fährt, quetscht sich der eine oder andere Berufspendler immer noch gern in die ohnehin schon völlig überfüllte Bahn. Egal ob Bus, Tram, U-Bahn oder S-Bahn, meist ist es hier stickig warm und kuschelig eng.

Auch hier bringt die unerträglich dichte Nähe zu den Mitreisenden und das oft schlechte Benehmen selbiger Lärm, Geschubse, Kopfschmerz, Wut, Anspannung und viel Frust mit sich. Auch die Gefahr des Taschendiebstahls ist gerade in Großstädten ein großes Problem und erfordert ständige Wachsamkeit. Fällt ein Umstieg an oder eine Bahn aus, beginnt das große Gerenne – hin zum nächsten Zug oder zum Schienenersatzverkehr mit Bussen, die nicht nur länger brauchen, sondern auch manchmal die benötigte Haltestelle gar nicht anfahren. Häufig sind Pendler, die den ÖPNV nutzen, um zum Arbeitsplatz zu gelangen, schon völlig durchgeschwitzt und entnervt, bevor sie überhaupt in die Nähe Ihres Arbeitgebers kommen.

Die wohl unangenehmste Tatsache jedoch dürfte für viele Berufspendler sein, dass sich Infektionen auf so engem Raum prima übertragen lassen. Ist die Gesundheit durch den Stress und seine Nebenwirkungen ohnehin schon geschwächt, steigt hier die Wahrscheinlichkeit, sich grippale Infekte etc. einzufangen leider noch beträchtlich.

Wie lange pendeln ist also zumutbar?

Per Gesetz gibt es leider keine feste Grenze, was zumutbar ist oder nicht. Hier heißt es lediglich, dass die täglichen Pendelzeiten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte im Vergleich zur Arbeitszeit nicht unverhältnismäßig lange sein dürfen. Zwei bis zweieinhalb Stunden gelten für Arbeitnehmer mit einer Arbeitszeit über sechs Stunden als zumutbar und „kleinere Abweichungen“ müssen akzeptiert werden. Was jedoch tatsächlich zumutbar ist oder nicht, muss von Fall zu Fall betrachtet und individuell entschieden werden. Soweit die Theorie. die Praxis sieht hier jedoch etwas anders aus.

Gemäß der hierzu durchgeführten Studien diverser Krankenkassen sinken mit jeder Minute Pendeln pro Tag das Wohlbefinden und die Zufriedenheit der Arbeitnehmer – und das sogar schon ab Minute 21 des Arbeitsweges. Egal mit welchem Verkehrsmittel Berufspendler reisen, je länger die Fahrt, desto größer die Strapazen und desto schlimmer die daraus resultierenden Folgen für die Gesundheit. Deshalb empfiehlt es sich, die Fahrtzeiten so kurz wie möglich zu halten.

Hat ein Arbeitnehmer täglich enorm weite Strecken zur Arbeit und zurück zu bewältigen, die er als nicht mehr zumutbar empfindet, lohnt sich ein Gespräch mit dem Arbeitgeber. Manche Arbeitgeber lassen sich dann auch auf flexiblere Arbeitszeiten oder gar Home-Office-Tage ein. Handelt es sich um einen großen Arbeitgeber mit mehreren Niederlassungen, bietet sich möglicherweise auch eine Versetzung an den nächstgelegenen Standort an.

Wird der Pendleralltag jedoch zu anstrengend und man hat keine Lust, die Fahrt zum Arbeitsplatz alleine zurückzulegen, kann eine Mitfahrzentrale für Pendler eine sinnvolle Lösung sein, um die Fahrtkosten zu senken und die Umwelt zu entlasten. Zusätzlich macht eine Fahrt mit anderen immer mehr Laune, als jeden Tag dieselbe Strecke ohne Mitfahrer zu pendeln.

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